Nervensystemorientierte Selbsteinschätzung

Nervensystemorientierte Selbsteinschätzung

Worum es in dieser Übung geht

Diese Übung dient als Bestandsaufnahme verschiedener Lebensbereiche und orientiert sich am klassischen „Lebensrad“ aus dem Coaching.

Das ursprüngliche Modell arbeitet meist leistungs- oder zahlenorientiert mit Skalen von 1–10. Gerade mit abstrakten Skalen haben jedoch viele neurodivergente Menschen Schwierigkeiten. Deshalb wird die Übung hier neurodivergent neu interpretiert.

Im Mittelpunkt steht nicht Optimierung, sondern Wahrnehmung: Wie erleben wir unser Leben tatsächlich? Und wie reagiert unser Nervensystem in unterschiedlichen Lebensbereichen darauf?

Die bewusste Einschätzung soll helfen, das eigene System besser zu verstehen und lesen zu lernen. Viele neurodivergente Menschen bemerken ihre Erschöpfung erst sehr spät oder verwechseln Aktivität mit verfügbarer Kapazität. Dadurch bleiben Belastung, Überforderung und innere Kosten oft lange unsichtbar – selbst dann, wenn nach außen noch vieles „funktioniert“.

Die Übung unterstützt dabei, Unterschiede zwischen äußerem Funktionieren, subjektivem Erleben und tatsächlicher Belastung sichtbarer zu machen sowie eigene Grenzen, Belastungsmuster und Ressourcen bewusster wahrzunehmen.

Welchen Nutzen die Übung bietet

  • Bestandsaufnahme aktueller Lebensbereiche
  • Förderung der Selbstwahrnehmung
  • Bewusstwerdung eigener Belastungen, Grenzen und Ressourcen
  • Sichtbarmachen innerer Kosten und nervensystemischer Belastung
  • Erkennen von Unterschieden zwischen äußerem Funktionieren und tatsächlicher Tragfähigkeit
  • Unterstützung einer nervensystemsensiblen Selbstbeobachtung
  • Förderung eines besseren Verständnisses für das eigene Nervensystem
  • Grundlage für Selbstcoaching, Selbstfürsorge und Burnoutprävention
„Mein Leben wirkt vielleicht funktional — aber mein Nervensystem zahlt dauerhaft den Preis.“

Wann die Übung sinnvoll ist

Die Übung kann zu Beginn, während oder am Ende eines Seminars, Coachings oder Selbstreflexionsprozesses eingesetzt werden.

Sie eignet sich sowohl zur einmaligen Standortbestimmung als auch zur wiederholten Durchführung über einen längeren Zeitraum hinweg.

Dadurch können Veränderungen, Belastungsmuster und mögliche Warnsignale frühzeitiger sichtbar werden. Die Übung kann dabei unterstützen, eigene Grenzen bewusster wahrzunehmen sowie Überforderung und Burnoutentwicklungen früher zu erkennen. Sie kann außerdem helfen einzuschätzen, wie belastet oder tragfähig einzelne Lebensbereiche aktuell erlebt werden.

Wie die Übung durchgeführt wird

Bearbeite die beiden Räder nacheinander.

Die einzelnen Lebensbereiche werden mithilfe der Schieberegler eingeschätzt. Ordne jeden Bereich entsprechend des aktuellen subjektiven Erlebens bzw. der nervensystemischen Belastung ein. Dazu bewege den Schieberegler von links nach rechts. Die Schieberegler reichen von 0 (= Nicht zutreffend / aktuell nicht Teil meines Lebens) bis 7 (= starke Belastung bzw. hoher Alarmzustand).

Zunächst wird eingeschätzt, wie die jeweiligen Lebensbereiche aktuell erlebt werden. Anschließend werden dieselben Bereiche noch einmal aus Sicht des Nervensystems betrachtet.

Die Einschätzung ist möglichst auf die letzten zwei Wochen zu beziehen. Die Übergänge zwischen den einzelnen Werten können fließend sein. Wähle den Wert, der das aktuelle Erleben am ehesten beschreibt. Es geht nicht um perfekte Genauigkeit, sondern um eine persönliche Orientierung.

Nach Abschluss beider Räder können die Ergebnisse miteinander verglichen und reflektiert werden. Dabei geht es nicht um richtige oder falsche Antworten, sondern um persönliche Wahrnehmung und Orientierung.

Die Daten werden nicht gespeichert, sondern nur im geöffneten Browser angezeigt. Für eine Speicherung der Daten lade das Dokument als PDF herunter oder drucke es über den Button „Als PDF speichern / drucken“ aus.

Wichtiger Hinweis: Die Übung ersetzt keine Therapie, Diagnostik oder medizinische Beratung.

Nervensystemorientierte Selbsteinschätzung

Rad 1: Aktuelles Erleben

Wie erlebe ich diesen Lebensbereich aktuell?

Je weiter außen ein Punkt liegt, desto stärker zeigt sich dort Belastung, Schwierigkeit oder Schwere. 0 bedeutet: Nicht zutreffend / aktuell nicht Teil meines Lebens. Diese Bereiche werden grau markiert und im Rad nicht als Punkt gesetzt.

Nervensystemorientierte Selbsteinschätzung

Rad 2: Reaktion des Nervensystems

Jetzt betrachte dieselben Lebensbereiche noch einmal – diesmal nicht danach, ob etwas funktioniert, sondern danach, wie stark das Nervensystem in diesem Bereich belastet wird.

Es geht also nicht darum, etwas zu können oder nicht zu können, sondern darum, wie viel Kraft, Anspannung oder Gesundheit ein Bereich tatsächlich kostet.

Viele Menschen haben gelernt, vor allem darauf zu schauen, ob sie etwas „irgendwie schaffen“. Weniger sichtbar bleibt oft, was das Nervensystem dafür dauerhaft leisten muss.

Wie reagiert mein Nervensystem in diesem Lebensbereich aktuell?

Je weiter außen ein Punkt liegt, desto stärker zeigt sich dort Belastung, Druck oder Alarm. 0 bedeutet: Nicht zutreffend / aktuell nicht Teil meines Lebens. Diese Bereiche werden grau markiert und im Rad nicht als Punkt gesetzt.

Nervensystemorientierte Selbsteinschätzung

Rad 1: Aktuelles Erleben

Rad 2: Nervensystem

Welche Reflexionsmöglichkeiten die Übung bietet

Was fällt mir beim Vergleich beider Räder auf?

Mögliche Impulse:

Gab es etwas, das mich überrascht hat?

Welche Bereiche kosten mich deutlich mehr Kraft, als mir bisher bewusst war?

Welche Bereiche fühlen sich aktuell tragfähig oder unterstützend an?

Wodurch könnten bestimmte Belastungen entstehen oder verstärkt werden?

Mögliche Impulse:

Gibt es Muster, Situationen oder Anforderungen, die mein Nervensystem besonders beeinflussen?

Welche Bereiche fühlen sich nach außen stabiler an, als sie sich innerlich anfühlen?

Was möchte ich in nächster Zeit bewusster beobachten?

Mögliche Impulse:

Gibt es einen Bereich, den ich in nächster Zeit bewusster beobachten möchte?

Mögliche Selbstbeobachtung im Alltag

Beobachte im Alltag nicht nur, ob etwas „funktioniert“, sondern auch, wie viel innere Anspannung, Energie oder Regulation es tatsächlich kostet.

Beispiele:

  • „Arbeit funktioniert eigentlich gut — aber innerlich halte ich nur noch durch.“
  • „Soziale Kontakte sind mir wichtig — aber danach brauche ich tagelange Regeneration.“
  • „Der Alltag funktioniert — aber nur mit dauerhafter Anspannung.“
  • „Ein Bereich wirkt nach außen stabiler, als er sich innerlich anfühlt.“